Feb 262009
 

joburgKann ja jeder sagen was er will, selbst die Miesepetrigsten mit einem gestörten Verhältnis zu Südamerika sollten es wissen….. Es gibt schlimmeres!!!!

Zum Vergleich eine Geschichte aus Südafrika, gefunden in der FAZ.

25. Februar 2009 Die erste Begegnung mit dem „Traffic Department“, wie das Straßen- und Verkehrsamt in Südafrika heißt, hätte eine Warnung sein sollen. Damals ging es darum, einen südafrikanischen Führerschein zu beantragen im Austausch gegen den alten europäischen. Nach tagelanger ergebnisloser telefonischer Recherche deutete Gesprächspartner Nummer 18 immerhin so etwas wie Kenntnis der Regeln an und empfahl vorbeizukommen. „Und bitte den ausländischen Führerschein mitbringen, zwei Passfotos, Reisepass, beglaubigte Arbeitsbescheinigung, geprüfte Aufenthaltsgenehmigung, Gehaltsnachweise der letzten drei Monate und übersetzte Führungszeugnisse.“ Die ironische Frage, ob er auch einen Aids-Test benötige, verneinte Nummer 18 hingegen völlig humorfrei, weil das gegen die Datenschutzbestimmungen verstoße.

Nun glich das Gebäude des Traffic Department mit seinen Stacheldrahtrollen auf den Außenmauern und den bewaffneten Wächtern an der Eingangstür einer Festung. Die demolierten Plastiksitze im Warteraum ließen zudem auf die ein oder andere handfeste Auseinandersetzung schließen. Die grimmigen Mienen der Wartenden verhießen auch nichts Gutes. Zweihundert, vielleicht auch dreihundert Frauen und Männer drängten sich in dem muffig riechenden Warteraum und warteten darauf, ihr Anliegen an die von unzähligen Handabdrücken verschmierte Glasscheibe heranzutragen, hinter der eine junge Dame damit beschäftigt war, ihre Fingernägel zu feilen. Das war vermutlich nicht einmal so gemeint, wie es aussah; sie hatte schlichtweg nichts zu tun, weil sie nur dann einen neuen Kunden akzeptieren durfte, wenn sie ein entsprechendes Zeichen von den im Verborgenen wirkenden Sachbearbeitern erhielt. Und die ließen sich Zeit.

Für Ausländer ist es nicht ganz einfach, Südafrikas Straßen zu befahren

Autovernarrte Nation

Tatsächlich hasst der gemeine Südafrikaner nichts mehr als sein Straßen- und Verkehrsamt. Dabei ist es weniger korrupt als das berüchtigte Innenministerium und hat mehr Außenstellen als das Sozialministerium. Doch Südafrika ist eine autovernarrte Nation, deren Begeisterung fürs Heilig’s Blechle es locker mit der deutschen aufnehmen kann, und wehe dem, der die Freude an der Mobilität zu unterbinden droht, weil das Ausstellen eines Führerscheins Monate dauern kann, weil Neuzulassungen verschludert und Nummernschilder verschlampt werden.

Es kam, wie es kommen musste: Kaum hatte die Dame mit der Nagelfeile den Antrag zur Umschreibung des Führerscheins entgegengenommen, als der Packen Papiere wieder zurückkam. Dafür sei hier niemand zuständig, beschied sie, bequemte sich aber immerhin, den „Information Manager“ herbeizuholen, einen jungen Mann in T-Shirt und Jeans, der beflissen versprach, sein Bestes zu tun und als Erstes nach Nummer 18 Ausschau zu halten, der schließlich den Besuch des Amtes empfohlen hatte. Natürlich war Nummer 18 nirgends aufzutreiben. Nach endlosen Stunden, in denen gefühlten hundert Menschen das immer selbe Anliegen vorgebracht wurde, stellte schließlich eine der vielen Mitarbeiterinnen, die der „Information Manager“ unablässig heranschleppte, genau die Frage, die alle Antworten beinhaltete: ob der Antragsteller denn eine unbeschränkte oder eine zeitlich befristete Aufenthaltsgenehmigung für Südafrika habe. „Zeitlich befristet.“ Dann, flötete die Dame, könne er ohne weiteres den ausländischen Führerschein weiterhin benutzen. Sicher? „Ja, ganz sicher.“ Dumm daran war, dass die Polizei das überhaupt nicht so sieht und dem Ahnungslosen nach der ersten Kontrolle den dringenden Rat mit auf den Weg gab, den nationalen Führerschein schleunigst von seiner Botschaft beglaubigen zu lassen.

Altmodisch, konservativ, schlaftrunken

Ein Jahr später nahte die zweite Begegnung mit dem Traffic Department. Dieses Mal ging es darum, die jährlich fällige Straßensteuer zu entrichten. Angesichts der stundenlangen Warterei in dem überfüllten Amt in Johannesburg fiel die Wahl für die nächste Begegnung auf das Straßen- und Verkehrsamt in Roodepoort, einem Vorort der Metropole, der genauso aussieht, wie der Name klingt: altmodisch, konservativ, schlaftrunken. Leider war halb Johannesburg auf die gleiche Idee gekommen, so dass sich bereits am Morgen eine ansehnliche Schlange vor dem Gebäude gebildet hatte.

Die Steuer zu entrichten ist eigentlich kein großer Akt. Man zahlt und bekommt im Austausch einen Aufkleber für die Windschutzscheibe mit Datum und Strichcode. Ausländer benötigen dafür ein „Traffic Register Number Certificate“, das nichts anderes beweisen soll, als dass man als Autofahrer aktenkundig ist. Nach drei Stunden Anstehen zwischen Viehgattern nicht unähnlichen Absperrungen, mit denen die Kundschaft in Richtung des einzigen besetzten der insgesamt acht Schalter kanalisiert wurde, folgt die nächste Katastrophe. „Da fehlt aber das Foto“, mahnte die dicke Schwarze hinter der Scheibe, die genauso verschmiert und von Kampfspuren gezeichnet war wie diejenige in Johannesburg. Foto? „Natürlich, hier oben rechts gehört ein Foto hin“, sagte sie und tippte auf die entsprechende Stelle des Dokuments. „Wie soll ich sonst wissen, wer Sie sind?“ Der Reisepass konnte sie auch nicht umstimmen. „So etwas kriegt man hier an jeder Straßenecke“, beschied sie und empfahl, die Papiere neu ausstellen zu lassen, was bedeutet hätte, den Wagen abzumelden und bei der neuerlichen Zulassung gleich das „Traffic Register Number Certificate“ zu beantragen, und zwar beim Traffic Department, also bei ihr. Dazu benötige sie Arbeitsgenehmigung, Aufenthaltsgenehmigung, Führungszeugnis, zwei Passfotos und – bitte nicht vergessen – den Reisepass, den man bekanntlich an jeder Ecke erhält.

Botengang kostet zehn Euro

An der nächsten Straßenecke gab es zwar keine Pässe, dafür aber einen Fotoladen. Als der Fotograf von dem Hindernislauf erfuhr, heftete er das neue Passfoto kurzerhand an das Dokument und riet, es noch einmal zu versuchen. Nach weiteren zwei Stunden im Laufstall stand der Mensch, der doch nur seine Straßensteuer entrichten wollte, wieder vor derselben Dame in der naiven Hoffnung, sie werde sich angesichts der vielen Kundschaft bestimmt nicht an sein Gesicht erinnern. Tat sie aber, verschränkte die Arme vor der voluminösen Brust und versuchte alsdann, den Bittsteller über ihre Lesebrille hinweg mit Blicken zu töten. Wieder auf der Straße, kam ein grinsender Schwarzer auf den langsam verzweifelten Weißen zu. Er könne helfen, sagte er, der Botengang koste zehn Euro. 30 Minuten später war der Kerl zurück und mit ihm die neue Plakette.

Die dritte Begegnung mit dem Amt war der dummen Angewohnheit geschuldet, es stets viel zu eilig zu haben. Seit Südafrika seine ebenso schnurgeraden wie menschenleeren Straßen mit Radarfallen gespickt hat, ist das allerdings ein teures Vergnügen geworden. Wie teuer, ist indes nicht ganz klar, weil die Knöllchen nur in den seltensten Fällen den Weg in die Post finden. Als Freunde von den angeblich grausamen Verzugszinsen auf nicht bezahlte Anzeigen erzählten und die Polizei zudem fliegende Straßensperren eingeführt hatte, die mit Laptops ausgerüstet sind, in denen sich die ärgsten Verkehrssünder stapeln, machte sich der Ausländer reumütig auf, beim Traffic Department seine Raserschulden zu sühnen. Dieses Mal hatte er sich eine Außenstelle in Midrand ausgesucht, wo alle großen Autohändler der Stadt ihren Sitz haben und folglich ein Mindestmaß an Professionalität zu erwarten war.

Bekannte Patzigkeit

Der erste Eindruck jedenfalls war vielversprechend: ein in freundlichen Farben gestrichener Wartesaal, gedämpftes Gemurmel statt lautstarken Streits, keine Warteschlange. „Ich möchte meine Knöllchen bezahlen“, gestand er der Dame hinter dem Schalter mit der Aufschrift „Fines“. Die Frau zeigte sich sofort hilfsbereit und erkundigte sich nach der Nummer seines südafrikanischen Personalausweises, der sogenannten ID-Number. Damit konnte der Ausländer nun leider nicht dienen, weil er nun einmal Ausländer ist. „Aber jeder hier hat eine ID“, entgegnete die Dame sichtlich irritiert. Die Vorlage des schönen europäischen Passes, fälschungssicher und mit Farbfoto, vermochte sie auch nicht umzustimmen. „Das interessiert uns nicht“, sagte sie, und ihre anfängliche Freundlichkeit machte der inzwischen sattsam bekannten Patzigkeit Platz.

Ob sie die Zahl der Knöllchen denn nicht über das Nummernschild des Fahrzeuges in Erfahrung bringen könne? Doch, meinte sie, das könne sie, aber sie wisse ja nicht, ob ich der rechtmäßige Halter sei. Der Einwand, das spiele doch keine Rolle, da kein Geld abgehoben werde, sondern eingezahlt, ließ sie kalt wie Marmor. „Wir brauchen Ihre ID-Nummer, um den Vorgang verbuchen zu können“, beharrte sie.

Immerhin gab es ja noch das „Traffic Register Number Certificate“, den Wisch mit dem Foto oben rechts, der die Weißnase als registrierten Verkehrsteilnehmer ausweist. Das Papier hat eine zwölfstellige Zahl, einen ID-Code. „Die Nummer muss aber 14 Stellen haben“, beharrte die Dame. Sorry, mehr als zwölf kann ich nicht bieten. „Dann ist das keine reguläre ID-Nummer“, stellte sie fest. Ich kann die Knöllchen also nicht zahlen? „Nein“, sagte sie, „können Sie nicht, weil Sie offiziell gar nicht existieren.“ Ein Niemand zu sein kann auch Vorteile haben.

Von Thomas Scheen, Johannesburg

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

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